Höhere Beteiligung und Zustimmung durch Engagement und Kampagnen von Planern und Befürwortern vor Ort - gerade bei mittlerem Abstand zum WP. Auch bei direkt anliegenden Orten steigen Beteilungen und Befürwortung.
Neun von zehn Bürgerbefragungen zu Wind- und Solarprojekten in Ostdeutschland enden mit Ablehnung. Doch es geht auch anders.
Wenn man die Bürgerinnen und Bürger in den ostdeutschen Bundesländern zum Bau von Wind- und Solarparks befragt, dann sagen sie meistens: „Nein!“. Das ist das Ergebnis einer Kurzstudie, die Ahnen & Enkel im Frühjahr 2026 durchgeführt haben: In neun von zehn Fällen wurden Wind- und Solarprojekte abgelehnt. Und das trotz hoher Einnahmen aus den Projekten für die Gemeinde und direkter Zahlungen von „Energiegeld“ an die einzelnen Haushalte. Ein Grund: Mangelnde Kommunikation.
Widerstand mit Angstkampagnen
Die negative Einstellung zu Windenergie in Ostdeutschland ist auch dem massiven Auftreten der Windkraftgegner geschuldet. Sie setzen die Bürgerinnen und Bürger mit Angstkampagnen unter Druck und malen die „Zerstörung der Heimat“ an die Wand. Auf sachliche Richtigkeit nehmen sie wenig Rücksicht. Und sie können auf eine Stimmung aufbauen, die Klimaschutz als elitäres Projekt „Grüner Kapitalisten“ verunglimpft, für das „wir hier vor Ort“ den Preis bezahlen.
Die Pro-Seite hat es sehr viel schwerer: Die Projektentwickler müssen die Sichtbarkeit, die Schall- und Schattenemissionen und auch die ganz konkreten finanziellen Vorteile für Gemeinde und Bewohner aufzeigen. Da ist wenig Platz für Pauschales.
Der Fall Teupitz/Halbe
Wie erfolgreich gute Kommunikation sein kann, zeigen die fast spiegelbildlichen Windkraftvorhaben der Firma Energiequelle im Süden von Berlin. Dort soll auf beiden Seiten der A13 ein Windpark entstehen. 29 Anlagen in der Gemeinde Teupitz und 26 Anlagen in der Gemeinde Halbe, bei fast identischen Voraussetzungen: Ausgedehnte Kiefernforste, ländliche Strukturen, kommunale Haushalte in finanzieller Not und hohe Stimmenanteile der AfD. In beiden Orten wurde ein Stimmungsbild über eine Bürgerbefragung ermittelt.
Wie erfolgreich gute Kommunikation sein kann, zeigen die fast spiegelbildlichen Windkraftvorhaben von Energiequelle im Süden von Berlin.
Obwohl sich die beiden Gemeinden ähneln, unterscheiden sich die Ergebnisse der Befragung stark: Während in der Gemeinde Teupitz 92 Prozent den geplanten Windpark ablehnten, war das Ergebnis in Halbe ausgeglichen (54 Prozent Ablehnung, 46 Prozent Zustimmung). Im Hauptort der Gemeinde Halbe sprach sich die Mehrheit sogar für die Planungen aus. Mit diesem Stimmungsbild ging die Gemeindevertretung mit dem Planer in konstruktive Gespräche. Doch wie kam es zu den Ergebnissen?
In Teupitz stellte die mehrheitlich windkraftkritische Gemeindevertretung ihren Bürgern die Frage: „Möchten Sie, dass im Gemeindegebiet von Teupitz und damit in Teilen des Naturparks Dahme-Heideseen Windkraftanlagen gebaut werden?“
Die windkraftbefürwortende Mehrheit in der Gemeindevertretung Halbe fragte dagegen: „Sind Sie dafür, dass die Gemeindevertretung sich für den Bau von 26 Windrädern entlang der Autobahn im Südwesten der Gemeinde einsetzt, welche einen Strombonus pro Kalenderjahr für jeden Haushalt und zusätzliche Einnahmen für Zukunftsprojekte der Gemeinde sicherstellt und eine Veränderung des Landschaftsbildes im Naturpark Dahme Heideseen bedeutet?“ Damit flossen nun auch die Vorteile des Projektes in die Frage ein.
Planer und Gemeinde steuern gemeinsam
Zur Befragung startete die „Bürgerfraktion Gemeinde Halbe“ einen regelrechten Pro-Wind-Wahlkampf, indem sie Infobriefe an alle Haushalte verteilte, Bürgerforen veranstaltete und im ganzen Ort Plakate aufhängte - alles wurde geleistet in ehrenamtlicher Arbeit und trotz ganz erheblicher, teils persönlicher Anfeindung.
Auch Energiequelle ging kommunikativ in die Offensive, schaltete Plakatwände im Ort, setzte Social Media Postings ab, trat bei Vereinen und Gruppen auf und betonte in ihrer von Ahnen & Enkel unterstützten Kommunikation besonders die hohen Einnahmen, die jeder einzelne Haushalt und die Gemeinde insgesamt zu erwarten hätten.
Das Ergebnis der Bemühungen bringt der Gemeindevertretung in Halbe mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten im eigens angestoßenen Bauleitverfahren und Energiequelle einen konfliktärmeren Planungsverlauf. In Teupitz, wo das Standard-Genehmigungsverfahren läuft, können die Gemeindevertreter hingegen nur zuschauen.
Verbündete identifizieren: Finden Sie die Menschen, die über den Projekterfolg entscheiden und bleiben Sie in ständigem Kontakt. In einem „Begleitkreis“ können Sie die lokalen Stakeholder nicht nur informieren, sondern erfahren auch frühzeitig, was im Ort vor sich geht.
Die Befürworter stark machen: Wer sich öffentlich für das Projekt ausspricht, braucht Rückendeckung – zum Beispiel mit guten Antworten auf kritische Fragen.
Chancen herausarbeiten: Fragen Sie aktiv und frühzeitig, wo der Schuh drückt und welche „Wünsche“ der Ort sich mit den Windeinnahmen erfüllen möchte. Ein sanierter Kindergarten oder ein gesponsertes Dorffest zeigen, dass Windkraft Aufschwung bringt.
Beteiligung zieht hier nicht: Denken Sie daran, dass in Ostdeutschland kaum Vermögen vorhanden ist. 98 Prozent der Erbschaftssteuern fallen in Westdeutschland an. Da haben die Menschen im Osten kaum Rücklagen, um sie in eine Projektbeteiligung zu stecken.
Haben Sie Ausdauer: Gerade am Anfang sind die Gegenkräfte laut und dominant. Damit nerven sie auf die Dauer aber auch viele Mitbürger und diskreditieren sich ein Stück weit selbst.
Haben Sie Selbstvertrauen: Projektkommunikation ist ein Marathon, kein Sprint. Ihre guten, sachlichen Argumente wirken nur langsam und still – aber sie wirken.
Professionelle Begleitung einplanen: Als Planer oder Kommune können orchestrierte Gegenkampagnen ihr Projekt kippen. Kommunikationsstrategie, Stakeholder-Analyse und Kampagnenplanung brauchen Erfahrung und Ressourcen.
Marcus Franken,
Gründer und Leiter Projektkommunikation bei Ahnen&Enkel PartG, Berlin
Foto: Hanna Boussouar
Foto: Ahnen & Enkel
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