Das erste Auswahlkriterium ist das regionale Windpotenzial. Küstenregionen und die norddeutsche Tiefebene bieten im Durchschnitt stärkere Winde als viele Regionen im Binnenland. Das bedeutet jedoch nicht, dass es im Inland keine guten Standorte gibt. Höhenlagen in den Mittelgebirgen, Hochebenen und andere exponierte Lagen können ebenfalls ein hohes Windangebot aufweisen.
Windpotenzial prüfen
Das regionale Windpotenzial ist allerdings nur die erste Orientierung. Ausschlaggebend sind die Verhältnisse am konkreten Standort. Selbst in einer windstarken Küstenregion kann eine Anlage zu wenig Strom erzeugen, wenn Gebäude oder Bäume den Wind abschirmen. Umgekehrt kann ein frei gelegener Standort im Binnenland gute Voraussetzungen bieten.
Kleinwindkraft: sieben Unterschiede zur Photovoltaik
Geeignet sind vor allem Grundstücke mit freier Anströmung aus der Hauptwindrichtung. Landwirtschaftliche Flächen, Randlagen von Gewerbegebieten und freistehende Betriebe sind deshalb häufig aussichtsreicher als Grundstücke in dicht bebauten Wohngebieten.
Mehr Eigenverbrauch verbessert Wirtschaftlichkeit
Bei netzgekoppelten Kleinwindkraftanlagen basiert die Wirtschaftlichkeit vor allem auf dem Eigenverbrauch. Jede selbst genutzte Kilowattstunde Windstrom ersetzt Strom aus dem öffentlichen Netz. Für eingespeisten Überschussstrom erhält der Betreiber dagegen nur eine vergleichsweise geringe Vergütung.
Der Stromverbrauch wird damit zu einem zentralen Auswahlkriterium: Je höher und kontinuierlicher der Eigenverbrauch ist, desto besser sind die Voraussetzungen für den Betreiber.
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Ein Batteriespeicher kann den Eigenverbrauch weiter erhöhen. Photovoltaik- und Kleinwindanlage speisen dabei in dasselbe Energiesystem ein und laden gemeinsam die Batterie. Da Solarstrom vor allem im Sommer und Windstrom häufig im Herbst und Winter anfällt, ergänzen sich beide Energiequellen im Jahresverlauf. So kann der Netzbezug sinken und ein hoher Autarkiegrad erreicht werden.
Ein Speicher kann jedoch weder fehlenden Wind noch einen dauerhaft zu geringen Stromverbrauch ausgleichen. Windpotenzial, erwartete Stromerträge und Verbrauchsprofil müssen deshalb vorab geprüft werden.
Unternehmen haben bessere Voraussetzungen
Die genannten Anforderungen werden von Unternehmen deutlich häufiger erfüllt als von privaten Haushalten. Gewerbliche Betreiber haben einen höheren und gleichmäßigeren Stromverbrauch. Dadurch können sie einen größeren Anteil des erzeugten Windstroms unmittelbar selbst nutzen.
Hinzu kommen die besseren technischen Möglichkeiten. Auf größeren Grundstücken lassen sich höhere Masten und Windanlagen mit größeren Rotoren errichten. In größerer Höhe weht der Wind stärker und gleichmäßiger. Gleichzeitig kann ein größerer Rotor mehr Windenergie aufnehmen.
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Deshalb erreichen gewerbliche Anlagen ein besseres Verhältnis zwischen Kosten und Stromertrag als kleine Privatanlagen. Gewerbliche Kleinwindanlagen liegen typischerweise zwischen 10 und 250 Kilowatt Leistung. Ihre Gesamthöhe, gemessen bis zur höchsten Flügelspitze, beträgt meist 25 bis 50 Meter.
Auch die räumlichen und baurechtlichen Bedingungen sind oft günstiger. Gewerbe- und Industriegebiete sowie landwirtschaftliche Betriebe im Außenbereich bieten häufig mehr Platz, eine freiere Anströmung und größere Abstände zur Wohnbebauung. Ob ein Projekt genehmigungsfähig ist, muss dennoch für jeden Standort frühzeitig mit dem zuständigen Bauamt geklärt werden.
Für welche Betreiber ist Kleinwind eignet?
Besonders gute Voraussetzungen haben Gewerbe- und Industriebetriebe mit einem hohen und möglichst kontinuierlichen Stromverbrauch. Dazu zählen unter anderem landwirtschaftliche Betriebe, Klär- und Wasserwerke, Kühlhäuser sowie Unternehmen mit dauerhaft laufenden Maschinen oder Kühlanlagen.
Ein anschauliches Beispiel sind Milchviehbetriebe. Sie benötigen kontinuierlich Energie für Melktechnik, Kühlung und Lüftung. Häufig verfügen sie zudem über große Grundstücke in freier Lage und ausreichend Abstand zur Wohnbebauung.
Mikrowindanlagen: Spielerei oder professionelle Lösung?
Auch Klärwerke, Wasserwerke und andere kommunale Betriebe kommen infrage. Pumpen, Belüftungsanlagen und weitere technische Einrichtungen sorgen dort für einen hohen Grundverbrauch rund um die Uhr.
Ein weiteres Einsatzgebiet sind netzferne Off-Grid-Anwendungen, beispielsweise Sendemasten, Messstationen oder abgelegene Gebäude ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz. Dort bilden Photovoltaik, Kleinwindanlage und Batteriespeicher ein gemeinsames Energiesystem. Dieselgeneratoren oder Brennstoffzellen können dadurch je nach Auslegung vollständig ersetzt oder wesentlich seltener eingesetzt werden.
Private Kleinwind nur unter günstigen Bedingungen
Private Betreiber sind nicht grundsätzlich ungeeignet. Gute Voraussetzungen bestehen vor allem bei freistehenden Häusern auf großen Grundstücken im ländlichen Raum. Der Rotor muss aus der Hauptwindrichtung möglichst frei angeströmt werden und auf einem ausreichend hohen Mast installiert werden können. Zusätzlich sollte der Stromverbrauch überdurchschnittlich hoch sein, beispielsweise durch eine Wärmepumpe, ein Elektroauto oder eine teilweise gewerbliche Nutzung des Gebäudes.
Bei privaten Betreibern steht häufig nicht die maximale Rendite im Vordergrund. Viele möchten ihre Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz verringern und Photovoltaik im Herbst und Winter durch Windstrom ergänzen. Trotzdem darf der Wunsch nach Autarkie nicht dazu führen, eine Anlage an einem windschwachen Standort zu errichten.
Gebäude und Bäume bremsen den Wind
Mitten in dicht bebauten Wohngebieten sind die Voraussetzungen für Kleinwindkraftanlagen schlecht. Gebäude und Bäume bremsen und verwirbeln den Wind. Das gilt auch für Mikrowindanlagen auf Hausdächern. Hier berichten Betreiber sogar von Stromverlusten, da der Standby des Wechselrichters mehr Strom verbraucht, als die Windanlage produziert. Anbietern, die vorwiegend solche privaten Dachanlagen verkaufen und hohe Erträge versprechen, sollte man aus dem Weg gehen. Die Folgen treffen nicht nur die Käufer: Auch der Installationsbetrieb riskiert Beschwerden und einen Vertrauensverlust.
TÜV-Verband fordert mehr Investitionen in Notstrom
Dass private Kleinwindkraft funktionieren kann, zeigt ein ehemaliger Bauernhof in Mittelfranken. Eine Kleinwindanlage mit 4,5 Kilowatt Leistung und einem 24 Meter hohen Mast erzeugt dort durchschnittlich rund 5.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Gemeinsam mit einer Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher erreicht der Betreiber einen hohen Autarkiegrad. Solche guten Voraussetzungen sind bei privaten Wohnhäusern jedoch eher die Ausnahme.
Fazit: Stromintensive Unternehmen sind beste Betreiber
Ob sich eine Kleinwindkraftanlage eignet, hängt vom Zusammenspiel aus Windpotenzial, Grundstück, Stromverbrauch und baurechtlichen Bedingungen ab. Die besten Voraussetzungen haben stromintensive Unternehmen mit einem hohen und kontinuierlichen Eigenverbrauch. Sie können größere Anlagen auf höheren Masten betreiben und den erzeugten Windstrom größtenteils selbst nutzen. Private Betreiber kommen dagegen nur an besonders geeigneten Standorten infrage.
Für Solarfachbetriebe kann Kleinwindkraft ein zusätzliches Geschäftsfeld sein. Voraussetzung ist, aussichtsreiche Kunden frühzeitig zu erkennen und von Projekten abzuraten, bei denen Standort oder Verbrauchsprofil nicht passen.
Der Autor: Patrick Jüttemann betreibt das Fachportal Klein-windkraftanlagen.com und den YouTube-Kanal Kleinwindkraft.
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