Dass eine Branche erwachsen wird, sieht man auch daran, dass die ersten Prototypen oder deren Nachbauten im Museum stehen – so wie das 30 Jahre alte Necar 1, das erste Auto mit Brennstoffzellenantrieb. Es ist ein Transporter, dessen Laderaum praktisch komplett mit der Brennstoffzellenanlage mitsamt Wasserstofftank und Zubehör ausgefüllt ist. Das Original steht in der Fabrik von Cellcentric in Esslingen. Ebenfalls am Standort ausgestellt sind die vom Unternehmen selbst entwickelten Brennstoffzellenmodulgenerationen. Jede neue Generation ist sichtbar kompakter und bringt mehr Leistung bei gleichem Bauraum.
„Mehr Leistung“ gibt es zunehmend auch bei den Elektrolyse-Anlagen in Deutschland zu sehen, die immer öfter zwei- oder dreistellige Megawatt-Leistungen haben. Auch wenn es langsamer geht als vor einigen Jahren erhofft, ist mittlerweile über ein Gigawatt an Elektrolyse-Kapazität in Bau, wie HZwei-Autor Niels Hendrik Petersen berichtet.
Und auch wenn man es angesichts der Schlagzeilen manchmal meinen könnte, geht Deutschland den Weg zum Wasserstoff nicht alleine. Da ist zum einen die EU, die beim Klimaschutz Druck macht – auch wenn sie in der Wasserstoffbranche vor allem für ihren ungeliebten Delegated Act zur Gleichzeitigkeit von Stromverbrauch und – produktion bekannt ist.
Bei der deutschen Kraftwerksplanung machten die EU-Wettbewerbshüter dem Wirtschaftsministerium die deutliche Ansage, ohne klare Perspektive für Klimaneutralität (sprich: Wasserstoff) kein Geld an Kraftwerksbetreiber zu verteilen. Und in der europäischen Netzplanung sind nun erstmals offiziell auch Wasserstoffleitungen vorgesehen.
Im Wasserstoffland Japan setzt vor allem die Präfektur Fukushima nach der Atomkatastrophe 2011 stark auf grüne Energie – dort gibt es mittlerweile sogar Wasserstofffahrräder. Das erfuhr meine Kollegin Monika Rößiger bei einem Vortrag von Masao Uchibori, dem Gouverneur von Fukushima.
Im Oman hat man ebenfalls mit dem Wasserstoffhochlauf begonnen – mit der Perspektive, das grüne Gas nach Europa und insbesondere nach Deutschland zu verkaufen. Doch die einst unterzeichneten Absichtserklärungen nimmt man in Deutschland nun nicht mehr so ernst. Die Omaner sind darüber not amused, wie unsere freie Autorin Natascha Plankermann nach ihrer jüngsten Reise berichtet. Man kann nur hoffen, dass sich Deutschland nicht international den Ruf eines dieser Kunden erarbeitet, die erst eine Reihe von Sonderwünschen haben und dann doch nichts kaufen. Das würde nach hinten losgehen, nicht nur für die Wasserstoffbranche.