Springe zum Hauptinhalt Skip to main navigation Skip to site search
Denkmalschutz

Der Konkurrenz voraus

Jahrelang lautete das Credo: Denkmalschutz und Photovoltaik passen nicht zusammen. Doch ein Projekt in Bayern zeigt, was in den vergangenen Jahren in Bewegung geraten ist. Eine pauschale Ablehnung der Photovoltaik durch die Denkmalbehörden ist einer differenzierteren Betrachtung gewichen – nicht zuletzt durch die Änderung der Bauvorgaben der Bundesländer.

Der Eigentümer des Beispielgebäudes in Bayern wollte auf ein modernes Energiekonzept umsteigen. Die Heizenergie und das Warmwasser sollte eine Wärmepumpe liefern, die ihren Betriebsstrom aus einer Solaranlage bezieht. Da ein Viertel des Gebäudes unter Denkmalschutz steht, lehnte die zuständige Denkmalbehörde eine Aufdachanlage ab.

Anlage genehmigt

Die Vorgabe war: keine sichtbaren Schienen und Klemmen sowie keine schwarzen Standardmodule. Die Dachhandwerker haben deshalb einen großen Teil der noch relativ neuen Dachziegel abgenommen und terrakottafarbene Solarmodule als definiert abgeschlossene Fläche nahtlos in das Dach integriert. Denn die Module mussten farblich auf die Dachziegel abgestimmt sein, die die Anlage weiterhin einrahmen, lautete die Vorgabe des Denkmalschutzes.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: eine Anlage, die genehmigt wurde – trotz Denkmalschutz – und auch den Bauherrn überzeugt. Es ist eine Photovoltaikanlage entstanden, die sogar ein Lob vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erhalten hat, weil sie die historische Substanz respektiert und gleichzeitig modernen Anforderungen gerecht wird.

200.000 potenzielle Projekte

Das Projekt zeigt, wie die beiden Ziele Denkmalschutz und ein moderner und wirtschaftlicher Gebäudebetrieb, der in der Lage ist, das Baudenkmal zu erhalten, möglich werden. „Die Praxis in den Denkmalschutzämtern ändert sich seit zwei Jahren zunehmend“, sagt Izzet Bayik, Geschäftsführer von Solar­roof, der das Projekt in Bayern eng begleitet hat. Er geht davon aus, dass schrittweise viele denkmalgeschützte Dächer mit Photovoltaik ausgestattet werden. Das Potenzial ist riesig. Izzet Bayik schätzt, dass ein Großteil der über 200.000 denkmalgeschützten Gebäude in Deutschland fit für die Photo­voltaik ist.

Stabile Konstruktion im Dach

Solarroof hat für das Projekt in Bayern nicht nur die Module und das Montagesystem geliefert, sondern auch den Bauherrn in der Kommunikation mit den Denkmalschutzbehörden unterstützt. Denn es ist immer noch kein Selbstläufer, dass die Denkmalschutzbehörden die Photovoltaik auf alten Gebäuden genehmigen. Genau davor schrecken aber immer noch viele Hauseigentümer und Dachhandwerker zurück. Doch die Dachintegration erhöht die Chancen erheblich, dass die Photovoltaik genehmigt wird.

Der entscheidende Unterschied zu klassischer Aufdachphotovoltaik liegt in der gestalterischen Zurückhaltung. Keine Schienen, keine Klemmen und keine zusätzliche Aufbauhöhe verändern das Erscheinungsbild des Daches. Vielmehr ersetzt die integrierte Solaranlage die Dacheindeckung im belegten Bereich vollständig. Solarroof setzt dabei auf das System Solrif des Herstellers Ernst Schweizer, das sich seit 1990 in einer Vielzahl von Projekten bewährt hat. „Für den Dachdecker ist Solrif wie eine hochwertige Dacheindeckung zu betrachten – nur eben mit zusätzlicher Energieerzeugung“, sagt Izzet Bayik.

Optik ist entscheidend

Die Module werden nicht an Schienen festgeklemmt, sondern direkt auf der Dachkonstruktion mit kleinen Haken und speziellen Bügeln so verlegt, dass sie sich schindelartig überlappen wie Dachziegel. Diese Konstruktion stabilisiert die Anlage: Durch die Überlappung und die oberen Modul­klemmen kann kein Windsog unter die Module greifen. Für die Dachhandwerker, die Anlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden bauen wollen, ist aber vor allem die Kenntnis der behördlichen Anforderungen entscheidend für den Erfolg.

Schließlich bewerten die Behörden die Anlage nicht nach Leistung, sondern anhand ihrer visuellen Wirkung. Mini­maler Eingriff in die Optik des Daches und Materialruhe stehen im Vordergrund. Die Sichtbarkeit von öffentlichen Räumen wie Straßen oder Ortskernen spielt genauso eine Rolle wie die Dachneigung, die Dachform und die Abstände zu First, Traufe und Ortgang.

Geordnete Modulfelder mit klaren Linien und symmetrischer Belegung erhöhen die Genehmigungschancen erheblich. Besonders wirksam sind Foto­montagen, die den Zustand vor und nach der Installation zeigen – sie ermöglichen den Behörden eine sachliche Abwägung zwischen Klima­schutz und Denkmalpflege, wie Izzet Bayik erklärt.

Behörden rechtzeitig kontaktieren

Er rät dazu, sich bei denkmalnahen Projekten frühzeitig mit den Denkmalbehörden abzustimmen und gegebenenfalls auch das Landesdenkmalamt einzubeziehen, falls die örtlichen Behörden nicht in der Lage sind, das Projekt richtig zu beurteilen. „Wir begleiten Bauherren bei der Denkmalargumentation, Handwerker bei Planung und Ausführung und liefern den Behörden technische Nachweise und Systemunterlagen“, sagt Izzet Bayik.

Diese Unterstützung reduziert Genehmigungsrisiken und Projektverzögerungen – ein Faktor, der gerade bei komplexen Denkmalprojekten den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern ausmachen kann. Neben der Optik wird aber noch ein weiterer Aspekt für die Installation von Solaranlagen auf oder in denkmalgeschützten Dächern wichtig: der Hagel­schutz.

Denn extreme Wetterereignisse nehmen zu. Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden mit ihren hohen Sanierungskosten und langen Wiederherstellungszeiten spielt die Widerstandsfähigkeit der Dachfläche ­eine entscheidende Rolle. Hier hat ein Hagelschaden nicht nur finanzielle, sondern auch denkmalpflegerische Konsequenzen.

Die Hagelschutzklasse, die die Module erreichen, kann so zu einem wichtigen Argument werden. Hochwertige Doppelglasmodule bieten dabei nicht nur höhere Widerstandsfähigkeit, sondern auch längere Lebensdauer und ein geringeres Ausfallrisiko – Faktoren, die bei der Gesamtbetrachtung eines Projekts gerade im Denkmalschutz ins Gewicht fallen.

Deshalb hat Solarroof seine Solrif-Module für die Hagelschutzklasse HW4 testen und zertifizieren lassen. Damit eignen sie sich nicht nur als harte Bedachung, sondern ziehen sogar mit den herkömmlichen Dachziegeln gleich, was die Festigkeit gegen Hagel angeht.

Mit Eiskugeln beschossen

Diese Hagelschutzfestigkeit haben die Experten von der Fachhochschule der Südschweiz (Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana – ­SUPSI) geprüft. Dabei wurden die Module in eine Dachkonstruktion mit dem Solrif-Montagesystem installiert und mit vier Zentimeter großen Hagel­körnern beschossen. Hinterher schauten sich die Prüfer an, ob die Modulgläser heil geblieben waren. Sie untersuchten die Module außerdem auf Beschädigungen der Zellen durch den Einschlag der Hagelkörner.

Für die Solrif-Module von Solarroof war dieser Test besonders anspruchsvoll, da sie ohne umlaufenden Rahmen auskommen. „Bei Solrif schießen die Prüfer tatsächlich die Hagelkörner an die schwächste Seite, nämlich die untere Glaskante“, erklärt Izzet Bayik. „Bei Standardmodulen mit 30 bis 35 Millimeter dickem Rahmen passiert nichts, bei uns muss das Glas standhalten.“

Versicherer verlangen Hagelschutz

Solarroof hat diesen Hageltest mit dickeren Modulgläsern gemeistert. Während andere Hersteller auf zwei Millimeter dicke Gläser setzen, nutzt Solarroof für seine Module auf der Vorderseite 3,2 Millimeter starke Gläser.

Die Rückseite bestückt das Unternehmen weiterhin mit zwei Millimeter dicken Gläsern. „Wir haben auch Module mit zwei Millimeter dicken Frontgläsern prüfen lassen. Aber sie haben den Test nicht bestanden und erreichen nur Hagelschutzklasse 3“, sagt Izzet Bayik. „Wir lassen jetzt aber auch Module mit zwei Millimeter Glasstärke prüfen. Denn wenn teilvorgespanntes Glas für die Frontseite genutzt wird, können die Module ebenfalls die höhere Hagel­schutzklasse erreichen.“

Die Hagelschutzklasse 4 ist vorwiegend für den Schweizer und den öster­reichischen Markt notwendig. Dort sind Hagelkörner oftmals größer als beispielsweise in Norddeutschland. Entsprechend verlangen die Versicherer in der Schweiz, dass die Module nach Hagelschutzklasse 4 zertifiziert sind, damit die Solaranlage versicherbar wird.

Deshalb wurde der Hageltest auch vom SUPSI mit Hagelkörnern aus der Schweiz durchgeführt. „Die Schweizer Versicherer akzeptieren nur Zertifikate der von ihnen anerkannten Prüfstellen“, weiß Izzet Bayik. Dieses Zertifikat ist wiederum auch in der EU gültig.

Referenz für sensible Gebäude

Das ist wichtig. Denn auch in den österreichischen und süddeutschen Bergen donnern größere Hagelkörner auf die Module. Zudem wird auch hierzulande der Hagelschutz zum Qualitätsmerkmal für Solarmodule, die die herkömmlichen Dachziegel ersetzen und so zum Teil der Dachhaut werden. Versicherer fragen zunehmend nach einem ausreichenden Schutz vor Hagelschäden, Bauherren setzen ihn voraus, und auch öffentliche Auftraggeber fordern ­entsprechende Nachweise.

Die Kombination aus Denkmalschutz, Hagelschutz und Indachmontage entwickelt sich zur Referenzlösung für sensible Gebäude. Für Dachhandwerker öffnet sich ein Marktsegment, in dem sie sich von der Konkurrenz ab­heben können. „Wenn man nicht im Mainstream mitschwimmen möchte mit den Standard-Aufdachanlagen, wo es sehr umkämpft ist, hat man mit Indachphotovoltaik einen klaren Vorteil“, sagt Izzet Bayik. Schließlich ist der Dachdecker ohnehin vor Ort und deckt das Dach neu ein oder saniert es.

Jetzt weiterlesen und profitieren.

Mit unserer Future Watt Firmenlizenz top informiert und immer auf dem neuesten Wissenstand in ihrem Fachgebiet.

+ Unbegrenzter Zugang zu allen Future Watt Inhalten
+ Vergünstigte Webinarteilnahme
+ E-Paper Ausgaben
+ Sonderhefte zu speziellen Themen
+ uvm.

Wir haben die passende Lizenz für Ihre Unternehmensgröße!

Mehr erfahren

Tags