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Upcycling

Strom von Balkonien

Bürgerenergie liegt im Trend, Upcycling sowieso. 35 Ehrenamtliche unterstützten tatkräftig dabei, 300 gebrauchte Solarmodule aufzubereiten – und an 150 Teilnehmer auszugeben. Jeder Haushalt erhielt dabei zwei Module mit zusammen 490 Watt Leistung. Die Empfänger können so jährlich rund 80 Euro Stromkosten sparen. Das Climatehub Kassel und das Photovoltaik-Kollektiv Solocal Energy haben im Kasseler Nordstadtpark die sogenannte Upcycling-Aktion Balkonien gestartet.

Nur zwölf defekte Module

Die Solarmodule arbeiteten zuvor 13 Jahre lang auf einer Fabrikhalle. Vor der Ausgabe prüften die Ehrenamtlichen sie, reinigten sie und statteten sie mit neuen Steckern aus. Zwölf Module mit leichten Defekten wurden dabei aussortiert. Nur die fitten Generatoren wurden in neue Hände gegeben.

Denn ohne die Wiedernutzung hätten nur Teile der sechs Tonnen Material recycelt werden können. Über ihre verbleibende Lebensdauer sollen die neu entstandenen Balkonkraftwerke nach Veranstalterangaben immerhin 500 Tonnen CO2 einsparen.

DGS ermöglicht ermäßigtes Zubehör

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) ermöglichte per Spende einigen benachteiligten Haushalten ermäßigtes Zubehör wie Wechselrichter und Unterkonstruktion. Weitere Partner waren die Bauteilbörse, die Bürgerenergiegenossenschaft Kassel & Söhre sowie die Bürgersolarberatung.

„Jeder soll die Möglichkeit haben, Teil der Energiewende zu sein – ganz unabhängig vom Einkommen“, sagt Marion Nürenberg, Klimavernetzerin des Climatehub Kassel. „Gleichzeitig schenken wir mit der Aktion gebrauchten Solarmodulen ein zweites Leben und leisten so einen Beitrag zur Ressourcenschonung.“ Ein doppelter Nutzen.

Kassel vorn in der Rangliste

Die Aktion passt auch zur besonderen Rolle Kassels. Immerhin sitzt mit SMA eine der ersten und innovativsten Solarfirmen des Landes in Niestetal, also in direkter Nachbarschaft und im Landkreis. Unter den sogenannten kleinen Großstädten, also mit 100.000 bis 500.000 Einwohnern, führt die hessische Stadt sogar die Rangliste an.

Ende 2025 waren dort bereits fast 1.400 Balkonkraftwerke angemeldet – das entspricht 6,5 Anlagen pro 1.000 Einwohner. „Kassel kann seinen Vorsprung als Vorreiter bei der Energiewende durch uns Mieter ausbauen“, betont Arvid Jasper vom Kasseler Kollektiv für Solarhandwerk und Klimabildung Solocal Energy.

Das macht doppelt Spaß: „Balkonkraftwerke selbst oder mit Freunden aufzubauen, schafft das tolle Gefühl, etwas für den eigenen Geldbeutel und die Klimawende zu tun.“

Recht auf eigenes Balkonkraftwerk

Seit zwei Jahren haben Mieter bereits das Recht auf die Installation eines Balkonkraftwerks – Vermieter dürfen die Installationen demnach nicht einfach ablehnen. Wer Fragen zur Installation hat, kann sich an Ehrenamtliche oder an Solocal Energy als Fachbetrieb wenden.

Der Climatehub Kassel ist ein lokales Klima-Mitmach-Netzwerk, das regelmäßig ehrenamtliche Klimaschutzprojekte anstößt. Nach dem Upcycling-Aktionstag ist vor dem nächsten Event: Der findet auf dem Kasseler Opernplatz statt.

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